30.11.2011

Gute Nacht, SpaceView ...

... und danke für fünfzehn tolle Jahre

Cover: Heel Verlag

Cover: Heel Verlag

Seit Jugendtagen, in denen ich mir via mühselige Mailorder Ausgaben der famosen britischen Genre-Zeitschrift SFX und des amerikanischen STARLOG in die entlegene Eifel organisierte, war es einer meiner beruflichen Lebensträume, irgendwann selbst mal Redakteur eines Phantastikmagazins zu sein. Eines "richtigen", das man im Handel kaufen konnte und das sich von den ganzen Fanzines, die ich ebenfalls las und in denen ich meine genrejournalistischen ersten Schritte machte, unterschied.

Mit der SpaceView aus dem Heel Verlag erfüllte sich dieser Traum. Fünfzehn Jahre lang berichtete das Magazin über Strömungen und Hintergründe der internationalen Phantastik und das deutsche Fandom, und müsste ich die Beiträge auflisten, die ich in dieser Zeit für es schreiben durfte, hätte ich wohl locker bis Ostern zu tun. Viel von dem, was ich heute beruflich bin und kann, geht auf die SpaceView und ihre Chefredakteur/innen zurück, die mir damals und immer wieder Chancen und Vertrauen gaben. Um nur zwei Beispiele zu nennen: Meine ersten Sachbücher kamen dank der damaligen SV-Chefin zustande, die sich im Verlag für mich und meine Schreibe stark machte. Für die SpaceView schrieben Bernd Perplies und ich unsere ersten gemeinsamen Texte, fanden gefallen an der Zusammenarbeit - und daraus erwuchs "Drachengasse 13". Ja, ich verdanke dem Heft einiges!

Wie ich soeben erfahre, scheint der Verlag das Magazin mit sofortiger Wirkung eingestellt zu haben. Die derzeit im Handel befindliche Ausgabe 4/11 (siehe Bild), mit der es sein Jubiläumsjahr beschließt, bliebe demnach die letzte. Nach dem frustrierenden Backstage-Hin-und-Her der vergangenen Wochen/Monate - ginge es um einen Menschen, stünde hier "nach langer, schwerer Krankheit" - überrascht mich das eigentlich kaum noch, es trifft mich aber dennoch ziemlich. Denn ich mag (mochte? mag!) das Magazin. Sehr.

Und ich hätte ihm einen würdevolleren Abgang gewünscht. So aber bleibt mir nur, zwei Sätze zu wiederholen, die ich 2007 - ausgerechnet für die SpaceView - dem damals gerade den gleichen Tod gestorbenen "Offiziellen Star Trek Magazin" aus dem OZ Verlag hinterher schrieb, für das ich ebenfalls arbeiten durfte:

"Leser und Mitarbeiter werden das Magazin vermissen und hoffen auf ein Wiedersehen - irgendwo, irgendwann. War mir eine Ehre, dabei zu sein!"

Die Zeitschrift ist eine andere, die Worte sind so wahr wie damals. Sehr, sehr schade, dass sich selbst etablierte Genre-Magazine - besagtes Star-Trek-Magazin hatte bei seinem Ende zehn stolze Jahre auf dem Buckel und war m.E. so frisch wie am ersten Tag - allem Anschein nach nicht mehr am deutschen Zeitschriftenmarkt halten können. In einer Branche, die x Auto-, y Sport- und z TV-Programmtitel parallel verträgt, verwundert diese Erkenntnis sehr. Zumindest heute.

Ich trink auf dich, SpaceView. Du warst genau richtig.

CH